t h e i n t e r n a t i o n a l n o t h i n g
kai fagaschinski | clarinet, composition
michael thieke | clarinet, composition
kai and michael started working together as a clarinet duo in 2000. after improvising for
some time in a mainly quiet and noise-based style, they became somehow bored with that and
turned their thoughts in new directions to find the delicate pleasures one might not
associate with clarinet duos.
in 2002 they shifted the project towards the composition of pieces that are focused on tone
material in a kind of pipe-organ style, making it sound like one instrument, or more than
two, through the comforts that multiphonics and difference tones offer. the pieces have a
warm and slowed down quality and might be associated with electronic music. their way of
composing can be described as "empirical" as the music isn't developed in the head of one
musician; it relies more on the ears of both, and a process of trying, failing, changing and
developing ideas during numerous rehearsals.
their debut album mainstream has been released in 2006 by ftarri (tokyo). as well as
five duo pieces, there are two pieces with guests: one song with margareth kammerer (voice &
guitar) and one quartet piece with christian weber and derek shirley (both on double bass).
another track is a remix with additional vocals by christof kurzmann.
after many years of withdrawn work they played in october 2007 their first duo concerts since
2002. the duo performed its music so far in austria, canada, czech republic, germany, norway, the
netherlands, switzerland, and u.s.a., including donaueschinger musiktage (2007),
experimental intermedia (new york 2009), konfrontationen (nickelsdorf 2008), and maerzmusik (berlin 2009).
the duo is constantly working on new compositions. since the release of their first album
five new pieces have been developted, which show a deeper permeation for sonic details and
more subtle forms. the release of their 2nd album can be expected for early 2010.
from the fruitful collaborations with margareth kammerer and christof kurzmann an
independent and song-based quartet has been formed called
the magic i.d.. their cd/lp till my breath
gives out has been released by erstwhile records (as erstpop 001) in february 2008.
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aus dem programmbuch der maerzmusik (2009):
The International Nothing
Über die Seinsbestimmung der Klänge
„Nichts ist wichtig.
Dazu ist die Welt zu groß.“
Anonymus
Kai Fagaschinski und Michael Thieke sind die Protagonisten von The International Nothing, im
anglo-amerikanischen Raum würde man sie als composer-performer bezeichnen. Die Klarinettisten
begannen ihre Zusammenarbeit vor nahezu 10 Jahren als Improvisationsduo und sind nach einigen
Jahren in dieser Konstellation, wie sie selbst sagen, „an die Grenzen der Improvisation
gestossen“, „es ging nicht mehr weiter“. Warum? Weil, so meine ich, Improvisation – auch und
von Fall zu Fall - Freiheiten zur Verfügung stellt, die der Seinsbestimmung der Klänge
partout nicht gerecht werden wollen.
Fagaschinski und Thieke haben die Konsequenzen aus dieser Crux gezogen und begonnen, ihre
Klarinettenkonversationen zu analysieren, zu systematisieren und zu strukturieren. Klänge
haben ihre Eigenzeit, und manche davon sind nur dann zur ihrer Entfaltung bereit, wenn sie
sich wohlgeordnet und wohlgeformt und immer wieder gleich an ihrer jeweils richtigen Stelle
wiederfinden. Erst die regelmäßig wiederholte Bezeugung von Nachbarschaft der Klänge ergibt
hier den erwünschten Klangfluss. Doch von Beginn an wurden ihre Kompositionen aus dem Geist
der Improvisation entwickelt (Phantasien hätte man früher dazu gesagt), auch die
Arbeitsmethode des Duos gleicht weniger dem klassischen Komponieren mit Arbeiten auf Papier
als vielmehr dem Liederkomponieren eines zusammengeschweißten Singer Songwriter-Duos. Die
Stücke werden, teilweise über Jahre hinweg, gemeinsam peu à peu entwickelt und geformt. Ihre
minutiös ausgearbeiteten Stücke sind wortlose, mit versteckter Klarinettenvirtuosität
vorgetragene Kunstlieder, die vom fremden Sagen und Singen erzählen. Nicht etwa Musikgut von
fernher, sondern die Verfremdung des eigenen musikalischen Selbst ist Thema:
Im-sich-selbst-Exotisieren zu sich kommen. Das Resultat ihrer musikalischen Forschungsarbeit
ist eine enigmatische, sehr persönliche Klangflächenkunst, die „Umspringbilder“ zwischen
warmen Klarinettenakkorden und angespitzten, an elektronische Frequenzspektren gemahnende
Sounds evoziert. Die Musiker leisten sich dabei den Luxus, rücksichtslos an der Zeit vorbei
zu komponieren; es entsteht der Eindruck, als wäre ihre Entschleunigungsmusik schon immer da
gewesen.
Burkhard Stangl, Wien im Dezember 2008
concert reviews:
stuttgarter zeitung
[...] Der Auftritt des Duos The International Nothing (Kai Fagaschinski und Michael Thieke)
dekuvrierte lässig die Bemühungen solcher elektronischer Hilfen, ohne die die meisten
Komponisten auch des Mainstreams - ängstlich bemüht, auf der Höhe der Zeit zu sein - nicht
auszukommen glauben. Allein mit zwei Klarinetten und ausgetüftelten Überblastechniken, der
Erzeugung von Mehrfachtönen und Partialklängen boten die beiden das Gleiche, was aufwendige
Elektronik bei anderen leistet. Der Stückverlauf mag formal einfach sein, aber die
passionierte Stille ihrer drei Gemeinschaftswerke beeindruckte nachhaltig. Einher geht diese
Radikalität mit einer Verweigerung, Handel mit der Kreativität zu treiben. Fagaschinski, ein
Autodidakt auf seinem Instrument, erklärte, dass sie ihre Stücke nicht verlegen lassen wollen,
auch nicht wünschen, dass sie nachgespielt werden. So viel künstlerische Freiheit hat ihren
Preis: Freimütig bekennen die zwei in der Programmbuch-Biografie, als Nachtwächter und
Hausmeister ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Es wirft ein Schlaglicht auf die prekäre
Situation vieler Komponisten. [...]
by götz thieme in his article "Klarinette schlägt Laptop" about the donaueschinger musiktage 2007
(germany, october 23, 2007)
ravensburger stadtmagazin
[...] In der schummrigen Christuskirche dann klingt es nach reiner Elektronik - doch
spielen Kai Fagaschinski und Michael Thieke "nur" Klarinette. Die komponierten Stücke sind
mikroskopische Forschungsarbeiten zur Klangverschmelzung - bewundernswert, wie die beiden mit
Doppeltönen, Schwebungen, feinsten Farbverläufen spielen. Künstlerisch auf höchstem Niveau -
aber immer noch kein Jazz. [...]
by sebastian pantel in his article "Musik in Zeiten des Krieges" about the NOWJazz concert series at the donaueschinger musiktage 2007
(germany, october 22, 2007)
eßlinger zeitung
[...] Konventionell tönte in der runden Christuskirche auch das Duo „The International
Nothing“ nicht. Die beiden Klarinettisten Kai Fagaschinski und Michael Thieke interpretierten
ihre drei Stücke ungemein homogen und filigran: faszinierende Harmonics und Mikrointervalle
wie im gemeinsamen Atemzug. [...]
by hans kumpf in his article "Jazz bei den Donaueschinger Musiktagen" about the NOWJazz concert series at the donaueschinger musiktage 2007
(germany, october 24, 2007)
geht doch, wenn man will.
comment by björn dirlack on their concert at kule, berlin, october 15th, 2007.



