kai & michael: tin

dark less tin - mainstream
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t h e   i n t e r n a t i o n a l   n o t h i n g kai fagaschinski | clarinet, composition
michael thieke | clarinet, composition

Michael Thieke and Kai Fagaschinski are protagonists of Berlin’s Echtzeitmusik scene. Starting out in 2000 in a noise-based improvised music setting, by 2003 the duo had shifted their working method to composition with the focus on tonal material. Despite this, The International Nothing is not trying to act like an academic new music ensemble. Instead they are a band, working on their own compositions collectively and free of hierarchical structures.

Through the delicate use of multiphonics, beat frequencies and difference tones they developed a idiosyncratic sound. The two clarinets act less as dialogic twin, and more as a multilayered stereophonic sound sculpture. The music places an emphasis on fragile dynamics, though the compositions make sure to shape very clear and precise forms within those areas. And even though the music is played and presented purely acoustically, it may cause strong associations with electronic music.

The duo has played all over Europe and toured North America. They‘ve presented their music at Donaueschinger Musiktage (2007), Konfrontationen (Nickelsdorf 2008), Experimental Intermedia (New York 2009), Maerzmusik (Berlin 2009), Serrales em Festo (Porto 2010), Internationale Ferienkurse für Neue Musik (Darmstadt 2012), and Météo Festival (Mulhouse 2012).

The Music of The International Nothing has been documented on three album releases by the Japanese Ftarri label: Mainstream (2006), Less Actions, Less Excitement, Less Everything (2010), and The Dark Side Of Success (2014).

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aus dem programmbuch der maerzmusik (2009):

The International Nothing
Über die Seinsbestimmung der Klänge

„Nichts ist wichtig.
Dazu ist die Welt zu groß.“
Anonymus

Kai Fagaschinski und Michael Thieke sind die Protagonisten von The International Nothing, im anglo-amerikanischen Raum würde man sie als composer-performer bezeichnen. Die Klarinettisten begannen ihre Zusammenarbeit vor nahezu 10 Jahren als Improvisationsduo und sind nach einigen Jahren in dieser Konstellation, wie sie selbst sagen, „an die Grenzen der Improvisation gestossen“, „es ging nicht mehr weiter“. Warum? Weil, so meine ich, Improvisation – auch und von Fall zu Fall - Freiheiten zur Verfügung stellt, die der Seinsbestimmung der Klänge partout nicht gerecht werden wollen.
Fagaschinski und Thieke haben die Konsequenzen aus dieser Crux gezogen und begonnen, ihre Klarinettenkonversationen zu analysieren, zu systematisieren und zu strukturieren. Klänge haben ihre Eigenzeit, und manche davon sind nur dann zur ihrer Entfaltung bereit, wenn sie sich wohlgeordnet und wohlgeformt und immer wieder gleich an ihrer jeweils richtigen Stelle wiederfinden. Erst die regelmäßig wiederholte Bezeugung von Nachbarschaft der Klänge ergibt hier den erwünschten Klangfluss. Doch von Beginn an wurden ihre Kompositionen aus dem Geist der Improvisation entwickelt (Phantasien hätte man früher dazu gesagt), auch die Arbeitsmethode des Duos gleicht weniger dem klassischen Komponieren mit Arbeiten auf Papier als vielmehr dem Liederkomponieren eines zusammengeschweißten Singer Songwriter-Duos. Die Stücke werden, teilweise über Jahre hinweg, gemeinsam peu à peu entwickelt und geformt. Ihre minutiös ausgearbeiteten Stücke sind wortlose, mit versteckter Klarinettenvirtuosität vorgetragene Kunstlieder, die vom fremden Sagen und Singen erzählen. Nicht etwa Musikgut von fernher, sondern die Verfremdung des eigenen musikalischen Selbst ist Thema: Im-sich-selbst-Exotisieren zu sich kommen. Das Resultat ihrer musikalischen Forschungsarbeit ist eine enigmatische, sehr persönliche Klangflächenkunst, die „Umspringbilder“ zwischen warmen Klarinettenakkorden und angespitzten, an elektronische Frequenzspektren gemahnende Sounds evoziert. Die Musiker leisten sich dabei den Luxus, rücksichtslos an der Zeit vorbei zu komponieren; es entsteht der Eindruck, als wäre ihre Entschleunigungsmusik schon immer da gewesen.

Burkhard Stangl, Wien im Dezember 2008


concert reviews:

stuttgarter zeitung [...] Der Auftritt des Duos The International Nothing (Kai Fagaschinski und Michael Thieke) dekuvrierte lässig die Bemühungen solcher elektronischer Hilfen, ohne die die meisten Komponisten auch des Mainstreams - ängstlich bemüht, auf der Höhe der Zeit zu sein - nicht auszukommen glauben. Allein mit zwei Klarinetten und ausgetüftelten Überblastechniken, der Erzeugung von Mehrfachtönen und Partialklängen boten die beiden das Gleiche, was aufwendige Elektronik bei anderen leistet. Der Stückverlauf mag formal einfach sein, aber die passionierte Stille ihrer drei Gemeinschaftswerke beeindruckte nachhaltig. Einher geht diese Radikalität mit einer Verweigerung, Handel mit der Kreativität zu treiben. Fagaschinski, ein Autodidakt auf seinem Instrument, erklärte, dass sie ihre Stücke nicht verlegen lassen wollen, auch nicht wünschen, dass sie nachgespielt werden. So viel künstlerische Freiheit hat ihren Preis: Freimütig bekennen die zwei in der Programmbuch-Biografie, als Nachtwächter und Hausmeister ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Es wirft ein Schlaglicht auf die prekäre Situation vieler Komponisten. [...]
by götz thieme in his article "Klarinette schlägt Laptop" about the donaueschinger musiktage 2007 (germany, october 23, 2007)

ravensburger stadtmagazin [...] In der schummrigen Christuskirche dann klingt es nach reiner Elektronik - doch spielen Kai Fagaschinski und Michael Thieke "nur" Klarinette. Die komponierten Stücke sind mikroskopische Forschungsarbeiten zur Klangverschmelzung - bewundernswert, wie die beiden mit Doppeltönen, Schwebungen, feinsten Farbverläufen spielen. Künstlerisch auf höchstem Niveau - aber immer noch kein Jazz. [...]
by sebastian pantel in his article "Musik in Zeiten des Krieges" about the NOWJazz concert series at the donaueschinger musiktage 2007 (germany, october 22, 2007)

eßlinger zeitung [...] Konventionell tönte in der runden Christuskirche auch das Duo „The International Nothing“ nicht. Die beiden Klarinettisten Kai Fagaschinski und Michael Thieke interpretierten ihre drei Stücke ungemein homogen und filigran: faszinierende Harmonics und Mikrointervalle wie im gemeinsamen Atemzug. [...]
by hans kumpf in his article "Jazz bei den Donaueschinger Musiktagen" about the NOWJazz concert series at the donaueschinger musiktage 2007 (germany, october 24, 2007)

geht doch, wenn man will.
comment by björn dirlack on their concert at kule, berlin, october 15th, 2007.

improjazz Kai Fagaschinski et Michael Thieke forment The International Nothing. Deux clarinettistes unissent leurs microtonalités lentes et infinies. Les Notes s'échappent, se répercutent, s'incrustent jusqu'á l'obsession. C'est aussi une autre forme de délestement. L'auditeur rejette ou admire. Le set semble court et on les quitte en suivant le mouvement méme de leur hypnotique musique : avec lenteur et délestement. Décidément !
by pierre durr in his review about the "musiques innovatrices festival" 2010 in st. etienne (france, october 2010)

a spiral cage Returning to the Chapel for the first night of the second half of this years SIMF, brought new visiting musicians and a new format. The first night would be three established duos from the visiting musicians. The first of these was The International Nothing, who in lieu of an official introduction explained to us that this project was for composed music and that they’d be playing six compositions tonight. Kai expressed some amusement in playing composed music at an Improvised Music festival.  Kai also explained that part of the theory behind the group was to work out pieces in such a way that it the sounds would work together as a whole. The six pieces spanned the entire history of the group, with the first being (I’m fairly certain) the opening track on their album Mainstream. The pieces are usually long held tones that weave in and out from the two clarinets and do create this effect of a single instrument, like a pump organ say, with a key held and then another pressed, then the first released and so on. Really hypnotic and fascinating, though my experience with the album was that the tunes in this vein felt a lot alike.  In this set though only the two oldest tunes had exactly this structure the other four, two of which were quite new and untitled varied in ways from this formula to provide a lot of interest. The second piece worked in a lot of natural gaps, nice incorporating the sounds from in and outside the chapel. A later piece featured “lyrics” in Morse Code, that one of them would create with small short (and long!) events over the sustained tones of the other. Another piece was only a couple of minutes long and was made up of short alternating melodic fragments. The final piece, titled Sleep, was long overlapping stretched out melodic elements that really evoked its name, though it’d be an uneasy sleep. I really enjoyed this set and it was one that I was initially uncertain about as I’d found their album a bit mixed.
by hatta in his review about the "seattle improvised music festival" 2009 (u.s.a., february 2009)